Wettbewerb Sterne des Sports

“Wir treiben gemeinsam Sport, weil wir miteinander können!!!“

Unter diesem Motto bewirbt sich TuB Mussum erstmalig. Der Deutsche Olympische Sportbund und die Volksbanken Raiffeisenbanken zeichnen Sportvereine aus, die sich über ihr sportliches Angebot hinaus besonders gesellschaftlich engagieren. Hintergründe zum Wettbewerb finden Sie hier. Inklusion funktioniert durch Interaktion. Sport bildet die Basis für Gemeinschaftsgefühl und Akzeptanz. Als einziger ortsansässiger Fußball- und Breitensportverein nutzen wir die Integrationskraft des Sports, um für Menschen mit Behinderungen oder Handicap Parallelgesellschaften aufzubrechen.

Dieses setzen wir in Kooperation mit Institutionen aus Bocholt und Umgebung um
• Büngern-Technik Bocholt (Werkstatt für Behinderte),
• der Bischof-Kettler-Schule (Förderschule)
• dem Klausenhof Rhede und
• der Caritas Bocholt

Vor dem Projekt wurde bereits unter Organisation der jeweiligen Träger Fußball gespielt. Auf öffentlichen Bolzplätzen, ohne Umkleiden oder Sanitäranlagen – Ohne Vereinsleben.

Unter anderem mit Unterstützung von Michael Rummenigge (ehemaliger dt. Fußballnationalspieler) kam es 2017 zu einer Trainingswoche auf dem Mussumer Vereinsgelände. Im Austausch mit Herrn Rummenigge, den Gruppenleitern und Spielern stellten wir gemeinsam fest, dass der Wille vorhanden war, diesen Sportlern eine Heimat zu geben. Inzwischen finden auf dem Mussumer Vereinsgelände neben zahlreichen Jugend-, Seniorinnen- sowie Senioren-Fußballturnieren auch Turniere zwischen Mannschaften (mit Handicap) statt.

Im Sommer (BEW-CUP) und Herbst (Stadtsparkassen-CUP) geht es zwischen Mannschaften aus dem Niederrhein und Ruhrgebiet um die Freude am Sport. Und Sportler wissen: Nichts macht Sportlern mehr Freude als zu gewinnen!

Dennoch: In unserem Verein zählt die Gemeinschaft. Spieler aller Mannschaften unterstützen sich und den Verein nicht nur bei der Durchführung der Turniere. Der Umgang miteinander ist im Alltag selbstverständlich. Alle packen mit an, mit oder ohne Handicap – jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten! Am Ende des Tages ist der Turniersieg also nicht immer das oberste Ziel!
Gestartet haben wir mit Fußball. Inzwischen sind mehr als 60 Menschen mit Handicap neben Fußball auch Mitglieder der vereinseigenen Karnevalsabteilung und/oder Kursen unserer Breitensportabteilung.
Aktuell gibt es Überlegungen Angebote auszubauen. Dart, Tennis, Boule, Fußballtennis sind Alternativen, von denen nicht nur Sportler mit Handicap profitieren können.

Für Sponsoren, wie z.B. die Bocholter Energiewerke (BEW) und die Stadtsparkasse Bocholt ist es selbstverständlich, die inklusiven Bemühungen unseres Vereins zu unterstützen.
Unterstützt werden wir mit Rat und Tat vom Förderverein „INKLUSIO 2018 eV“. Und dies mit nachhaltigem Erfolg. Im Januar 2019 war INKLUSIO einer der Hauptspendenempfänger beim Alfred-Flender-Wohltätigkeitsturnier (Hallenturnier der Fa. Flender zwischen ortsansässigen Betriebssportmannschaften). Neben Maßnahmen zur Reduzierung von Barrieren werden die Mittel u.a. dazu verwendet, Sportlern mit fehlenden finanziellen Eigenmitteln den anfallenden Mitgliedsbeitrag im Sportverein zu zahlen.
In der Saison finden regelmäßig Spiele der Handicap-Abteilung mit Spielern ohne Handicap (nicht gegen!) statt. Für einen Kreisligaverein sind diese Spiele sehr gut besucht. Immer wieder gesellen sich auch Freunde, Sponsoren, Vertreter der örtlichen Verwaltung und der Politik dazu. Zuletzt ließ es sich der Vertreter der Stadtverwaltung nicht nehmen, ein Spiel als Schiedsrichter zu leiten. Die Events werden mit anschließendem Beisammensein (gemeinsames Bundesliga-Gucken) abgerundet. Der Wille zur Gemeinschaft – auch abseits vom Sportplatz – zeichnet uns aus.

Natürlich gab es mit Blick auf zahlreiche Presseberichte anfänglich Bedenken. Länder, Städte, Schulen, Kita´s o.ä. machten nicht ohne Grund immer wieder auf Probleme im Rahmen ihrer inklusiven Bemühungen aufmerksam. Voraussetzung, ein solches Projekt zu starten, ist Nachhaltigkeit. Unsere Kooperationspartner unterstützen uns mit ihrem Knowhow und helfen bei der Bewältigung von Problemen. U.a. folgende Hilfen sind wesentliche Bestandteile für den Erfolg unseres Projekts:
• Einzelne Übungsleiter werden für die Zeit der sportlichen Aktivitäten freigestellt
• Für den Transport der Sportler werden die dafür notwendigen Fahrzeuge gestellt
• Anlaufstelle in besonderen Situationen

Vor dem Start unseres Projekts galt es einige Fragen zu klären:
• Welche rechtlichen Voraussetzungen gilt es neben dem SGB IX zu beachten?
• Welche Rahmenbedingungen (Barrierefreiheit) mussten wir zum Start erfüllen und welche können sukzessive umgesetzt werden?
• Sind wir finanziell in der Lage, ein solches Projekt zu starten und welche Fördermöglichkeiten gibt es.
• Haben wir genügend qualifiziert Trainer und Betreuer, um das Projekt nachhaltig zu gestalten?
• Gibt es genügend Interessenten?
• Und wichtig: Welche Wünsche gibt es von den Sportlern an uns?

Bei all diesen Fragen standen uns die Kooperationspartner mit ihrer Erfahrung aktiv zur Seite. Sozialarbeiter, Gruppenleiter, Lehrer etc. wurden freigestellt. Zusätzlich opferten auch viele mit Begeisterung ihre Freizeit (und sind heute noch dabei!)

Zuerst ging es darum, das Vereinsleben zu organisieren. Die Gründung einer Abteilung und die Einbindung von mehr als 60 Sportlern beinhaltet u.a. folgende Aufgaben:
• Trainer und Begleiter akquirieren (beide qualifiziert)
• Kapazitäten auf der Platzanlage schaffen
• Bestehende Barrieren abbauen
Inzwischen sind wir in Bocholt und Umgebung für viele Anlaufstelle bei diversen Inklusionsprojekten. Mit unseren Kooperationspartnern haben wir über den Sport hinausgehende Angebote entwickelt:
• Unter dem Motto „Inklusion auch im Bocholter Karneval“ beteiligt sich die Handicap-Abteilung TuB Mussum bei dem Aufbau des Karnevalwagens und nimmt beim Karnevalsumzug durch die Stadt auf dem Wagen und als Fußgruppe teil.
• die Integration in das Leben der Gemeinde wird durch die Teilnahme der Handicap-Sportler an dem Stadtviertelfest und der jährlichen “Dreck-weg“- Aufräumaktion in Mussum gelebt.

Vereinsmitgliedern bestätigen uns, dass sich eine Unsicherheit im Umgang mit Menschen mit Handicap schnell verliert. Ein Miteinander ist für alle selbstverständlich geworden.

Ein Gewinn für Alle!

Auch uns hat „Corona“ nach hinten geworfen:
Sportler mit körperlichen, geistigen und oder seelischem Handicap nutzen unsere Angebote. Leider musste ein für Mai 2020 geplantes „inklusives Trainingslager“ in der Sporthochschule Duisburg-Wedau genauso abgesagt werden wie ein Besuch des Fußballmuseums in Dortmund.

In Abstimmung u.a. mit der Büngerntechnik (Werkstatt für Behinderte) sowie den Angehörigen der Sportler planen wir die Wiedereinführung des regulären Trainingsbetriebs. Leider gehören unsere Sportler häufig zu den betroffenen Risikogruppen. Mit Blick auf die besonderen Herausforderungen bleiben unsere Möglichkeiten aktuell leider noch stark eingeschränkt. /br>
Das Projekt wurde von der Presse verfolgt. Das Bocholter-Borkener Volksblatt berichtete von den vereinseigenen Turnieren in Mussum. Unsere Mannschaften nahmen auch Turnieren von weiteren Behindertenwerkstätten oder (Förder-)Schulen teil. Auch hiervon war zu lesen.

Aktuell planen wir, Medien in barrierefreier (einfacher) Sprache zu schaffen bzw. anzupassen: • Neuer Flyer ist in Arbeit: Angebote der Handicap-Abteilung
• Umbau des Internetauftritts incl. App.: Der Startzeitpunkt ist derzeit offen, da wir hier von den zur Verfügung stehenden Mitteln (Sponsoren) abhängig sind. In Zeiten von Corona sind nicht nur uns die Einnahmen in hohem Maße weggebrochen.

TuB Mussum 1955 e.V. ist ein Dorfverein in der Stadt. Wir bauen Brücken zwischen Sport, Schule und Religion und stehen dafür auch ein. Werte und Überzeugungen wie Offenheit, Geselligkeit, Ehrlichkeit, Gemütlichkeit, Zusammenhalt und Kameradschaft prägen unsere Gemeinschaft. Ruhe und Kontinuität, eine kompetente Vereinsführung und ein solider Haushalt machen unseren Verein zu einer festen gesellschaftlichen Größe.

Dieses ist eine für ein solches Projekt sicherlich eine günstige Situation. Der hiesige Heimatverein, die Landjugend, KAB, Schützenverein sind gerne dabei, wenn wir Unterstützung brauchen. Da kommt auch schon einmal ein Spielmannzug und führt die Mannschaften mit Marschmusik aufs Feld.

Beispiel: Kurz vor „Corona“ haben wir (die Büngerntechnik mit TuB Mussum) einen Trommel-Lehrgang für Menschen mit Handicap begonnen. Ziel ist es, das Trommeln bei Vereins-Events zu integrieren.

Gestartet wurde
• über das Angebot der Büngerntechnik (Behindertenwerkstatt)
• in den Räumlichkeiten des Mussumer Heimathauses (des Heimatvereins)
• Bei ausreichender Beteiligung/Begeisterung soll der Kurs durch TuB Mussum weitergeführt werden.

Vor Corona realisierten wir in Zusammenarbeit mit der Communitas Sozialmarketing GmbH die Finanzierung eines Menschenkickers. Ein Sportgerät perfekt als Ergänzung zu unserem Projekt. Es schmälert die Bandbreite von individuellen Möglichkeiten und unterstützt damit die Mannschaftsbildung auf unterschiedlichem Niveau.

Finanziert wurde das Sportgerät in kurzer Zeit durch das Engagement vieler Bocholter Unternehmen, die sich alle mit dem Tun unseres Vereins identifizieren. Die Übergabe an den Gesamtverein wird im Rahmen eines Familien-Tages des Sportvereins TuB Mussum vollzogen. Wir erwarten viele Besucher, der Termin steht in der aktuellen Situation noch nicht fest.

Fazit: Die Sportler mit Handicap fühlen sich als Mitglied in bei TuB Mussum als Teil des Ganzen. Sie nehmen am Vereinsleben teil und stellen keine Randgruppe dar….

INKLUSION!!!